Organisationsmodelle in der Vergangenheit

Ich lese zur Zeit das Buch „Reinventing Organizations“ von Frederic Laloux (siehe Quellenangabe ganz unten). Da ich immer wieder Unterbrechungen in Kauf nehmen muss, habe ich mich dazu entschieden, die aus meiner Sichtweise wichtigsten Zusammenhänge in einzelnen Bildern zusammenzufassen und letztere zur Verfügung zu stellen. 

Zusammenfassung: entwicklungsgeschichtliche Perspektive

Organisationen sind Strukturen, die von Menschen geschaffen werden. Sie stehen in einem geschichtlichen Kontext und spiegeln die Entwicklung der Gesellschaft wider. Die Entwicklungspsychologie spielt ebenfalls eine Rolle, da diese einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung des menschlichen Bewusstsein und deren Auswirkung auf Organisationen erklären kann.

Das Buch zeigt Beispiele für Organisationen, die die oben genannten Paradigmen repräsentieren:

  • tribale Organisationen: Mafia, Straßengangs (S. 25)
  • traditionelle konformistische Organisationen: katholische Kirche, Militär, öffentliche Schulen, Regierungsbehörden (S.25, S. 36)
  • moderne Organisationen: globale Unternehmen, Privatschulen (S. 36)
  • postmoderne Organisationen: Southwest Airlines, DaVita, Ben&Jerrys (S. 37)
  • integrale Organisationen: Buurtzorg, ESBZ (S. 56)

Alle Modelle haben nach meinem Verständnis gemein, dass die jeweils spätere Stufe auf der vorherigen aufbaut und durch Verbesserungen Fortschritte erzielt, die jenseits der Vorstellung der vorherigen Stufe liegen.

Gemein ist ihnen außerdem, dass der Mensch zunehmend als Individuum mit seinen persönlichen Stärken wahrgenommen wird. Gleichzeitig entsteht für jedes Individuum die Notwendigkeit, sich mit sich selbst und seiner Umwelt auseinanderzusetzen.

Die letzte Beobachtung wäre noch, dass es falsch wäre, diese Stufen gegeneinander zu be- oder verurteilen. Jede dieser Entwicklungsstufen hat ihre Berechtigung, Erfolge und Nachteile. Dies anzuerkennen, hilft nicht nur, Akzeptanz für die Beweggründe und Motivationen anderer aufzubauen, sondern auch sich selbst und individuelle Potenziale zu erkennen, die es noch zu entdecken gibt.

Als Beispiel seien hier die im einfachsten Falle Formulierungen erwähnt wie „Die Ängste des Egos in den Griff bekommen“ (S. 43), „Innere Stimmigkeit als Kompass“ (S.44) und „Das Leben als Reise der Entfaltung“ (S.45), die esoterisch anmuten mögen, aber handfeste Argumente liefern, warum die Auseinandersetzung mit diesen Themen eine echte bereicherung darstellen.

Im nächsten Beitrag versuche ich, die Wesenzüge einer integralen Organisation noch genauer zu erfassen. Wer Kommentare oder Anmerkungen hat, komme gerne auf mich zu.

Quelle: Laloux, F. Reinventing Organizations. Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit. Verlag Franz Vahlen Gmbh, München. Erste Auflage, 2015. ISBN: 978 3 8006 4913 6